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Warum Touren mit gedruckten Landkarten immer noch so schön sind!

Keine Angst. Es geht hier nicht um die guten, alten Zeiten, als man Europa noch mit dem ADAC-Autoatlas durchqueren musste. Doch es gibt sie allemal, die guten Argumente für gedruckte Landkarten.

 

Zwar werden Dir Evangelisten für Navigationsgeräte wie Garmin oder TomTom und Laienprediger für Smartphone-Apps ein juchzendes Hochlied auf Zielgenauigkeit singen, doch die schnöde Wahrheit erfährst Du spätestens auf deinem Roller: Die Sonne knallt aufs stumpfe Display, der Regen produziert Schnellabschaltungen der Ladefunktion durch eine nasse USB-C-Buchse und einen Überblick kriegst Du auf der Miniscreen nur sehr bedingt.

 

Die große Orientierung ist auf einer klassischen, gedruckten Karte grundsätzlich einfacher. Denn bei weiten Fahrten geht es zunächst um die groben Richtungen – wer nach Brandenburg will, fährt zunächst nach Berlin; voila. Das Wort Berlin, das merkste Dir halt mal für die nächsten vierhundert Kilometer Autobahn.

 

Und wenn Du nicht alleine unterwegs bist, macht eine große Karte ausgebreitet ohnehin mehr her als ein Quadratzentimeter großes Guckloch. Wollen mehrere Personen sehen, wo die Route hinführt, ist dies auf einer Straßenkarte wesentlich leichter und einfacher als auf einem Smartphone oder dem GPS-Gerät. Zwei weitere kostenlose Boni: Bei Papier wird der Akku nicht leer und Zellstoff kaum kaputt, wenn er mal runterfällt.

 

 

Dabei ist Karte nicht gleich Karte, sie unterscheiden sich nicht zuletzt im Maßstab: Für Wochenendausflüge über Land ohne bestimmtes Ziel reicht sicher 1.250.000. Ein Verhältnis zwischen 1:5.000 und 1:25.000 ist dagegen typisch für Großstadtpläne – was bedeutet, dass 1 Zentimeter auf dem Plan 5000 cm oder 25.000 cm in der Realität entsprechen. Je nach Einsatzzweck benötigt man sogar topografisches Material, das es erlaubt, die Geländeformationen zu erkennen.

 

Stichwort erkennen. Wer öfter mit gedruckten Karten arbeitet und danach fährt, schaut zunächst einmal auf die Legende, um zu verstehen, was er sieht: Wie werden Hauptverkehrsadern dargestellt, wie die interessanten Seitenstraßen? Welches Zeichen steht für Fähre? Was bedeutet die grüne Untermalung einer Strecke? Was wollte uns der Kartograf damit sagen?

 

Wie also reisen? Wir empfehlen in der Praxis das beste aus zwei Welten; am besten bedient seid ihr, wenn ihr digital und analog verbindet.

 

 

GPS-Geräte und Smartphones mit den entsprechenden Apps haben den Vorteil, dass man dank GPS stets weiß, wo man sich gerade befindet und die genaue Position immer abrufbar ist. Außerdem ist es mit diesen Geräten auch möglich, sich navigieren zu lassen, also von A nach B zu kommen. Dafür ist es nicht notwendig, ein guter Kartenleser zu sein. Ein weiterer Pluspunkt für die elektronischen Geräte: Man kann Touren bereits am PC oder Mac planen und als fertige Tracks auf die handlichen Navigationshelfer überspielen. Und es passt sogar noch mehr auf die Navi-Gadgets: Stadtpläne zum Runterladen werden neuerdings gerne kombiniert mit Führungen in Podcast-Form – wo man hinschaut, ob nach Überlingen, Pforzheim, München, Berlin oder Leipzig – überall kann die Reise schon zuhause akustisch beginnen.

 

Doch spätestens vor Ort schlägt dann die Stunde der gedruckten Orientierung: Es gibt faszinierende Karten, die üblichen Standards nicht folgen, dafür oft bunt designt und dahingeworfen sind, aber von spontanem Wert sind: Die Rede ist etwa von den Stadtplänen vom Abreißblock, wie sie gerne in Hotels ausliegen. Sie sind ein Segen für die Orientierung in fremder Umgebung. Ich persönlich mag die mit einem historischen Anstrich: In berliner Hotels etwa lagen bis Anfang der 1990er Jahre die Pläne der “Insel” aus, auf denen Ost-Berlin quasi ausgeblendet war. Heute sind die Block-Karten von damals ideal, um z.B. Relikte der geschleiften Mauer zu finden.

 

 

Gedruckte Landkarte sind auch Garanten, dass die Reise nie endet. Sie sind Artifakte der Erinnerung, verbildlichte Vergangenheit, wenn sie mit eigenen Notizen und Markierungen versehen werden. Die alte Karte vom Trip durch den Libanon z.B., ganz schön lange her. Das Papier ist ganz schön brüchig geworden, die Faltenränder reißen auf. Doch mit dem Finger dem groben Strich des Leuchtmarkers, die Tagesetappen und die handschriftlichen Anmerkungen zu entziffern, macht vergangene Momente und Recherchen wieder lebendig.

 

Das kann ein App nicht. Alle paar Monate, manchmal seltener, manchmal öfter, krame ich in meiner Kiste mit alten Landkarten, wähle eine aus und mache mir einen schönen Abend. Mit einer Landkarte, aufgeklappt und ausgebreitet auf einem Tisch, sich zu erinnern ist ein bisschen so, wie Musik per Scheiben, Plattenspieler und Verstärker zu hören. Klar, die Lieblingssongs passen auch alle in den Speicher des Smartphones, aber bei der Beschallung aus dem digitalen Allzweck-Tool geht die Sinnlichkeit verloren.

 

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